Bodenfruchtbarkeit

Bodenarten und Bodenstruktur

Böden sind ein Gemenge aus mineralischen und organischen Bestandteilen, Wasser und Luft. Sie bestehen häufig zu 50% aus festen Bestandteilen und zu 50% aus Poren. Die meisten Böden sind reich an aktiven Lebewesen wie Bakterien, Würmer, Springschwänzen uvm. Unsere Böden erfüllen mehrere für uns Menschen essentielle Funktionen, die sogenannten Bodenfunktionen.

  • Land- und forstwirtschaftliche Biomasseproduktion
  • Filter- Puffer- und Transformationsfunktion
  • Genschutz und Genreservefunktion
  • Physische Basis für Gebäude usw.
  • Rohstofflieferant
  • Kulturfunktion (Quelle: mod. nach E.H. Blum Bodenkunde in Stichworten)

Über Jahrtausende in Böden konservierte Gegenstände dienen Archäologen als Nachweis für die Lebensweisen unserer Vorfahren (Kulturfunktion). Unsere Wohnräume, Verkehrsflächen, Industriegebäude, etc. brauchen Böden als physische Standorte (Physische Basis für Gebäude usw.) und Rohstoffe wie Sand, Schotter, Zement, etc. als Baumaterial (Rohstofflieferant). Die hohe Anzahl an unterschiedlichen Tierarten, Bakterien, Pilzen etc. die in unseren Böden leben, stellen einen äußerst umfangreichen und größtenteils unerforschten Genpool dar (Genschutz- und Genreservefunktion). Durch ihre Fähigkeit das Niederschlagswasser über längere Zeit zu speichern und es von unerwünschten Stoffen zu reinigen, ermöglichen uns die Böden sauberes Grundwasser als Trinkwasser zu verwenden (Filter- Puffer- und Transformationsfunktion). Böden dienen unseren Kulturpflanzen als physikalischer Standort und zur Wasser- Luft- und Nährstoffversorgung. Ohne belebte Böden könnten wir keine Biomasse für unsere Ernährung produzieren (Land- und forstwirtschaftliche Biomasseproduktion). Ohne dem Schutz unserer Böden und der Bodenfunktionen ist kein höheres Leben auf der Erde möglich.

Die Erfüllung der unterschiedlichen Bodenfunktionen hängt von mehreren Faktoren ab. Ein wesentlicher Faktor ist die natürlich entstandene Bodenart und der Bodentyp. So kann zum Beispiel ein seichtgründiger Sandboden als physische Basis für Gebäude sehr gut geeignet sein, als Produktionsstandort für Nahrungsmittel oder Filter und Puffer eignet sich ein tiefgründiger Tschernosem wesentlich besser. Am Beispiel der Bodenkarte Niederöstererichs zeigt sich die hohe Heterogenität der Böden. 

bodenkarte_NOE Quelle BfW
Bodenkarte Niederösterreich Quelle: www.unserboden.at

 

Die Bodenart oder umgangssprachlich auch als Bodenschwere bezeichnet, wird durch die Zusammensetzung der Korngrößen bestimmt. Die Korngrößen werden in Sand 2 mm – 63µm, Schluff 63 µm – 2,0 µm und Ton <2 µm eingeteilt. Je höher der Ton – Anteil eines Bodens ist um schwerer und je höher der Sand – Anteil umso leichter ist dieser. In Österreich werden die Böden nach dem österreichischen Texturdreieck eingeteilt. Eine einfache Bestimmung der Bodenart kann mit der Fingerprobe nach BLUM et al (1986) vor Ort durchgeführt werden.

österreichische Texturdreieck
Österreichisches Texturdreieck

Die Bodenart ist maßgebend für die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit, die Wasserleitfähigkeit, das Puffervermögen, das Quell- und Schrumpfungsverhalten und die Porengrößenzusammensetzung der Böden. Damit hat die Bodenart einen großen Einfluss auf die Bodenfunktionen Land- und forstwirtschaftliche Biomasseproduktion und Filter- Puffer- und Transformationsfunktion. Die Bodenart kann kleinräumig sehr deutlich variieren. Diese kleinräumigen Unterschiede können z.B.: bei der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung berücksichtigt werden. Bei der Bodenprobenahme müssen sie berücksichtigt werden.

Bodenart lokale Unterschiede
Bodentypen Quelle: eBod www.bfw.ac.at

Böden werden in Österreich aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte in Bodentypen unterteilt. Die Kenntnis des Bodentyps erlaubt es seine Eigenschaften und seine Eignung z.B.: als Grünlandstandort abzuschätzen. So eignet sich ein seichtgündiger Ranker bei genügend Niederschlägen sehr gut als Grünland- oder Waldstandort. Als Ackerstandort ist er ungeeignet. Die in Österreich dominanten Bodentypen sind Braunerden und Tschernoseme. Wobei auch Ranker, Rendsinen, Gleye und Pseudogleye große Gebiete abdecken.